Authentizität und Alltag

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Authentizität scheint gerade das Schlagwort der Woche zu sein – ich höre es an jeder Ecke.
Aktuell titelt auch „FOCUS“, dass nur der Authentische Erfolg haben könne und führt einige prominente Beispiele an wie “unsere Lena“, Herr zu Guttenberg usw.

Absolut, stimme ich zu, weiß aber im gleiche Augenblick, dass auch hier die Krux liegt: Denn ist es im Alltag immer so leicht, authentisch zu sein?

Fangen wir vorne an: Haben Sie schon mal versucht, in einem Vorstellungsgespräch Authentizität zu beweisen? „Mir ist gerade etwas in den Knien weich – so bin ich nun mal. Solche Situationen regen mich auf“, das wäre die verbale Variante. Sicherlich wäre auch spannend, die Kleidung authentisch zu wählen und in Jeans und 20 Jahre altem Lieblingspulli zu kommen.

Aber jetzt mal ehrlich: Das will doch keiner hören und sehen. Scheint so, als ob unter Authentizität doch noch was anderes gemeint ist. Denn all die prominenten Beispiele sind zwar authentisch, scheinen sich aber gerade dadurch der allgemeinen Meinung anzupassen. Oder die Meinung den Prominenten? Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei?

Bevor die Verwirrung gleich komplett ist: Auch Authentizität verlangt nach einer gewissen Selektion. Ob „unsere Lena“ sich bei „Wetten dass“ wirklich genauso benimmt wie zu Hause lassen wir mal hingestellt. Herr zu Guttenberg gönnt sich sicherlich auch mal eine Auszeit vom schicken 3-Teiler mit Einstecktuch. Nur nicht unbedingt, wenn wir dabei sind. Es sei denn, der Effekt ist beabsichtigt.

Genau das ist der Punkt: Authentizität bedeutet: Sich die Freiheit zu nehmen, das in den Blickpunkt zu rücken, was wir als wichtig erachten. Im Theater nennen wir das Inszenierung – nur so nebenbei.

2 Kommentare
  1. Seidl
    Seidl says:

    Mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel gelesen. Ich bin der Meinung, dass die von Ihnen beschriebene „Inszenierung“ nur umso glaubhafter ist, als sie sich mit dem in Überenstimmung befindet, wofür wir wirklich stehen. Dies wiederum sollte durch Führung gefördert werden. Ich erlaube mir hierzu einen Link zu einem meiner eigenen Artikel:
    http://samasu.de/wordpress/?p=103

    Viele Grüße Christoph Seidl

    Antworten
  2. Marcus
    Marcus says:

    Ich denke Authentizität im Alltag geht schon aber nicht immer und nicht überall.
    Hängt zum einen stark davon ab, in welchen Kreisen man sich bewegt und davon wie sehr die Menschen gegenüber eben mit geschilderten oder überhaupt mit Emotionen umgehen können. Authentizität ohne Emoitionalität und Wahrhaftigkeit ist für mich keine Authentizität und dies ist im Alltag leider noch viel zu selten, solange Menschen ganz allgemein lieber ihre Emotionen aus Angst vor den eben üblichen Konsequenzen zurückhalten. Und das geschieht auch solange, wie Menschen auf Emotionalität eben mit unangemessenen Konsequenzen reagieren, was sie ja auch wieder nur tun, weil aufgrund ihrer Inszenierung sich abgrenzen wollen. Irgendwie ein fataler aber beständiger Kreislauf und schade zugleich.
    Der Selbstmord von Enke war ja auch so ein Beispiel, wo Menschen daraufhin kurz nachdenken und sagen, dass kann es ja nicht sein, dass es soweit kommt und ein paar Wochen oder Tage später spielen sie schon wieder das gleiche Spiel.
    Dabei ist authentisch zu sein faszinierender Weise vom Energie- und Geistesaufwand wesentlich einfacher, als sich zu inszinieren, weil man muss sich nicht merken, was man wem erzählt hat 😉 – wenn nur eben die Konsequenzen nicht wären.
    Soweit meine kurzen Gedanken dazu.

    Liebe Grüße

    Marcus

    Antworten

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