Charisma in der Führung – Fluch oder Segen?

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Erst letztens wieder stieß ich auf einen Artikel des Prof. Malik von der Universität St. Gallen, der sich vehement zum Thema Charisma in der Führung auslies. Es ist die Rede davon, das charismatische Führer in der Vergangenheit niemals gute Dienste in der Führung geleistet hätten und anderes mehr. Immer wieder wird auf Nagativbeispiele verwiesen, die es natürlich auch gibt.

Was soll man dazu sagen. Keiner würde sich hinstellen und behaupten, dass mit dieser Führungseigenschaft nur Gutes zustande gebracht worden wäre. Aber wie immer im Leben kommts halt auch hier drauf an, was man draus macht. Keiner käme wohl auf die irrwitzige Idee zu behaupten, dass die Erfindung der Kernspaltung den Untergang der Menschheit besiegelt hätte, aber jeder würde einem darin zustimmen, wenn man sagt, dass darin eine gewisse Missbrauchsgefahr liegt.

Erst seit Mitte der 80ger Jahre ist das Thema Charisma in der Führung überhaupt wieder von Interesse. In der deutschsprachigen Literatur finden sich bis heute erschreckend wenige Forschungsergebnisse, im nordamerikaischen Raum ist man seit 20-30 jahren an dem Thema stärker dran. Dort wird immerhin auf einen eigenen charismatischen Führungsstil verwiesen. Was aber unterscheidet nun den charismatischen Führungsstil von dem „normaler“ Manager? Sicherlich der, dass der charismatische Führungsstil nicht eine bestimmte Richtung vorgibt. Die Richtung kann gewechselt werden, weil die Geführten in emotionaler Hingabe an den Führer mitgehen. Komplexere Veränderungen, die in hoher Geschwindigkeit Umdekungsprozesse erfordern, lassen sich mit einem dynamisch veränderbaren Führungsstil leichter begegnen als mit einem herkömmlichen, der auf einer rein rationalen Erfahrungsebene basiert.

Markus Hauser (1999) beschreibt das so, dass die Charismatische Führung hierbei

„als ein Phänomen verstanden wird, bei dem sich die Geführten aufgrund bestimmter Persönlichkeitsdispositionen und Verhaltensweisen des Führenden sowie situativer Bedingungen emotional an den Führenden binden, sich mit dem Führenden, seiner Vision und dem Kollektiv identifizieren, die Vision des Führenden internalisieren und sich über das erwartbare Maß hinaus für die Erreichung dieser Vision einsetzen.“

Ich finde, das beschreibt es ganz gut.
Für mich liegt in dieser Einfachheit auch die Logik. Menschen lassen sich lieber von Menschen führen, denen sie vertrauen. Vertrauen und Commitment sind aber ganz klare Teilbereiche der charismatischen Führung.

Um auf Malik zurück zu kommen liegen natürlich hier auch die Fallstricke: Wer garantiert, dass es hier keinen Missbrauch gibt? Um es kurz zu machen : Keiner!
Aber erleben wir in den alltägliche Nachrichten nicht ständig den Missbrauch in der Führung? Kurze Antwort: Ja. Und sind dies denn alles charismatische Führer? Auch hier eine kurze Antwort: Nein.
Missbrauch ist generell in jeder Führungsform möglich. Warum also aus Angst vor Missbrauch auf eine der Möglichkeiten verzichten, die uns diese moderne Führungsform verspricht?

Herzlichst
Julia Sobainsky

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