Charisma = positive Ausstrahlung?

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Handelt es sich bei Charisma eigentlich immer nur um eine positive Ausstrahlung?

In den vergangenen Tagen habe ich mich mal wieder durch Berge an Literatur zum Thema Charisma gewühlt. Dabei fielen mir ein paar Dinge ganz besonders auf:

1. Charisma wird bei vielen bekannten Autoren mit guter Rhetorik verwechselt. In Ordnung, das ist nichts Neues. Mag es ärgerlich sein, sich immer wieder durch Rhetorikbücher zu quälen, auf deren Cover der Titel „Charisma“ aus verkaufstechnischen Gründen prangt (der Markt für Rhetorikbücher ist seit einigen Jahren abgegrast), aber es handelt sich immerhin um einen Umstand, den ich bereits kenne.
2. In den meisten Büchern werde ich belehrt, was Charismatiker tun. „Charismatiker loben ihre Mitarbeiter“ heißt es da, oder „Charismatiker lieben die Menschen“. Letztere Aussage führt mich zu dem Punkt, der mir heute am Herzen liegt und der da heißt:
3. Charisma ist eine positive Ausstrahlung.

Ich wage diese Aussage in Frage zu stellen. Grundsätzlich ist Charisma, meiner Meinung nach, wertfrei zu betrachten, es handelt sich erst einmal um eine Eigenschaft. Ob diese Eigenschaft angeboren oder erworben ist, spielt eher eine untergeordnete Rolle. Es ist nur in sofern erheblich, als dass die negative Ausstrahlung selten bewusst erworben und eingesetzt wird (aber auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel, denken wir doch mal beispielsweise an Marilyn Manson, siehe Foto).

Wenn nun in der Literatur Charisma als ausnahmslos positiv in seiner Wirkungsweise dargestellt wird, führt das auf eine falsche Interpretationsfährte, was Charisma anbelangt. Die Autoren besagter Bücher meinen dann eher „positive Ausstrahlung“, was keineswegs mit Charisma gleich zu setzen wäre. Hier findet also schlicht eine Verwechslung statt.

Ich habe Menschen kennen gelernt, die auf eigenartige, faszinierende Art über negatives Charisma verfügten. In Ihrer Nähe entstanden Streit und schlechte Laune wie Spohrpilze in nasser Wäsche. Dennoch konnten sich die Menschen in ihrer Nähe dem nicht so einfach entziehen. Irgendwie entstand offenbar das Bedürfnis / der Sog, immer wieder auf diese Menschen zuzugehen und den Kontakt zu suchen. Im Anschluss an solche Begegnungen waren alle entnervt und schlecht gelaunt.

Ich will hier nicht übergehen, dass sich solche „Negativ-Charismatiker“ in erster Linie bei einem bestimmten Menschentypus durchsetzen können. Aber es wäre vorschnell geurteilt zu meinen, dass es sich bei diesem „bestimmten Menschentypen“ ausschließlich um schwache, charakterlose Typen handelt. Nein, gerade die besonders Positiven, die, die schnell mal Hilfe anbieten, die, die in anderen Menschen in erster Line das Gute sehen, neigen dazu, beim „Negativ-Charismatiker“ erste Hilfe leisten zu wollen.

Mein Fazit lautet also: Charisma ist eine faszinierende Ausstrahlung. Ob angenehm oder unangenehm, kann sehr unterschiedlich sein, und sich sicherlich sogar in einer Person vereinen.

Wenn ich eine pauschale darstellende Aussage über die Eigenschaft Charisma, oder besser über die Fähigkeiten eines Charismatikers treffen sollte, dann vielleicht die: Charismatiker faszinieren, und stecken mit Ihrer Stimmung andere Menschen sehr schnell an. Sie gewinnen emotionale Macht über andere.

Herzlichst
Julia Sobainsky

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