Das Lachsprogramm

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Ich hatte vor wenigen Tagen die Gelegenheit, den inspirierenden Hirnforscher Gerald Hüther live in einem Vortrag zu erleben. Ich bin nachhaltig beeindruckt und möchte hier einige der Gedankenanregungen weitergeben.

Kennen Sie die Geschichte der Lachse? Lachse werden in Fluss-Oberläufen geboren und schwimmen, auf der Suche nach Nahrung, als kleine Lachse in die Meere. Wenn der Lachs dann mal so 2-3 Jahre alt ist, überfällt ihn eine unglaubliche Unruhe und er schwimmt an den Ort seiner Geburt zurück, um sich zu verpaaren. Lachse können im Wasser riechen und folgen ihrem Geruchssinn bis an den Oberlauf ihres Geburtsflusses, um dort für Nachwuchs zu sorgen.

Diese Reise erschöpft die Lachse sehr, zumal sie zwischen Salzwasser und Süßwasser umstellen müssen. Dann feiern die Lachse ihre Paarung. Wenige Tage nach der Ablaichung sterben 80 – 90 % der Lachse.

Bislang gingen Wissenschaftler davon aus, dass die Lachse ihrer Erschöpfung erlagen, jedoch stand immer die Frage im Raum, warum dann 10 – 20% diese Erschöpfung überleben, handelte es sich hierbei nicht einmal um die größten und stärksten.

Ein Wissenschaftler legte nun im Rahmen einer Untersuchung ein umfangreiches Lachsprogramm auf, welches folgendermaßen aussah: Die Lachse wurden vorsichtig nach der Verpaarung und der Ablaichung eingefangen und mit Hubschraubern ins Meer transportiert, nachdem sie mit einer kleinen farbigen Markierung versehen worden waren, um sie später wieder zu erkennen.
Und erstaunlicherweise bewies die Untersuchung, dass die Lachse daraufhin allesamt überlebten! Trotz der Erschöpfung, unter der sie ja dennoch standen, lebten die Lachse im Meer munter weiter und überlebten anschließend auch eine weitere Paarungszeit.

Das Lachssterben konnte also keineswegs an der Erschöpfung liegen!
Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Lachse dieses Programm „Verpaarung ist zu Tode anstrengend“ so im Gehirn hatten, dass es unabhängig von ihrem tatsächlichen physiologischen Befinden wirkte. Für den Lachs ist es quasi Alltag, dass man nach der Verpaarung stirbt. Erst, wenn er aus seinem Trott gerissen wird, also quasi einen Paradigmawechsel erlebt, ändert dies die Programmierung. Dies ist eine sich selbst erfüllende Prophezeiung par excellence!

Was können wir lernen? Haben wir möglicherweise auch Paradigmen und Programme, denen wir folgen? Ist es vielleicht eines unserer Programme, dass alte Menschen nicht mehr gut lernen können, einer Demenz erliegen, unbeweglich sind? Welche Programme habe ich im Kopf? Welche Programme laufen bei Ihnen?
Welches Potenzial könnten wir entfalten, wenn wir für uns ein Lachsprogramm auflegen würden, was bei uns einen Paradigmawechsel verursacht? Welches Potenzial könnten Ihre Mitarbeiter entfalten, oder die Kinder in Schulen? Was könnten wir Menschen noch alles lernen, welche Erfahrungen machen?

Erfahrungen verdichten sich im Laufe des Lebens zu Haltungen. Haltungen aber setzen Paradigmen. Und so nimmt der Kreis seinen Lauf – unterstützend für den Menschen oder behindernd für sein Tun.

Ein verwirrendes Gefühl, gleichzeitig Erleichterung über die Erkenntnis, aber auch Grusel über die Tatsache befiel mich und hält bis heute an. Immer wieder erleben wir doch, dass Menschen uns überraschen, aus den gesetzten Grenzen ausbrechen. Wie viele aber haben nicht die Kraft oder den Instinkt? Von Reflektion möchte ich noch gar nicht sprechen an dieser Stelle, denn ich glaube, die setzt erst später ein. Reflektion erfahren wir dann, wenn wir bewusst unsere selbst oder fremd gesetzten Grenzen hinter uns lassen. Die Komfortzone verlassen, raus aus der Box, rein ins ungewisse Abenteuer. Ab jetzt werde ich von Gehirnbesitzer zum Benutzer desselben.

Welche Erfahrungen machen Sie? Wo lassen Sie Ihre Grenzen hinter sich? Ich freue mich über Feedback und wünsche Ihnen ein gutes Lachsprogramm.
Ihre
Julia Sobainsky

1 Antwort
  1. Elisabeth Stark-Schnarr
    Elisabeth Stark-Schnarr says:

    Sehr geehrte Frau Sobainsky, nicht nur Sie hat die Gechichte der Lachse fasziniert.
    Auf dem Rückflug von Spanien erzählte der Sitznachbar meiner Mutter davon und seitdem versuche ich herauszubekommen, in welchem seiner Bücher das Lachsprogramm von Hüther beschrieben wird. Können Sie mir eventuell weiterhelfen? Das wäre sehr nett, ich komme auf die Seite von libreka, wo man Buchinhalte suchen kann, seit Tagen nicht hinein, auch unser Buchhändler konnte nicht helfen. Herzliche Grüße Elisabeth Stark-Schnarr

    Antworten

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