Frauen und Charisma 

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Seit 2002 schon erstelle ich für ein Buchprojekt eine empirische Studie über charismatische Führungskräfte in Deutschland. Für diesen Zweck interviewe ich Führungskräfte, deren Mitarbeiter sagen, dass sie Charisma haben. Nun ist es so, dass diese Menschen nicht allzu leicht zu finden sind, deshalb braucht es auch eine entsprechend lange Zeit.Ich habe natürlich auch vorher schon damit gerechnet, dass ich vermutlich mehr Männer als Frauen finden werde, die Mitarbeiter führen und gleichzeitig über Charisma verfügen. Einfach alleine aus der Tatsache heraus, dass es weniger weibliche Führungskräfte gibt.

Ich bekomme aber nicht selten Hinweise auf weibliche charismatische Führungskräfte.

Mein Vorgehen ist eigentlich in allen Fällen gleich. Ich schreibe eine freundliche E-Mail und frage vorsichtig an, ob die Person bereit wäre, mir ein Interview zu geben. Ich erläutere in wenigen Sätzen mein Buchprojekt. Gleichzeitig biete ich weitere Informationen über das Projekt an.

Wenn ich Männer auf diese Weise anfrage, bekomme ich immer eine Antwort. Die Frauen seltsamerweise reagieren in den meisten fällen überhaupt nicht. Nicht mal eine Antwort! Was mich aber weit mehr irritiert: ist es nicht seltsam, dass Frauen bei einem solchen Projekt offenbar auf keinen Fall mitmachen wollen?

Wozu bitte erläutern wir eine Genderfrage, diskutieren über Quoten, wenn viele Frauen sich im Grunde genommen sowieso nicht trauen? Oder geht es darum, sich nicht in die Karten schauen zu lassen? Schon gar von einer Frau (wie mir)? Geht es darum, aus der eigenen Position ein Geheimnis zu machen? Oder trauen die Frauen sich selbst schlichtweg nicht über den Weg? Meinen sie, sie seien nicht gut, nicht charismatisch, und es handele sich sich vielleicht nur um ein Missverständnis?

Tatsache ist, ich glaube, dass sich hier ein gesellschaftliches Phänomen in meiner Studie abbildet. Wir werden noch so viel über Quoten sprechen können und sie auch einführen, wenn Frauen sich selbst nicht die Positionen zutrauen, und ihre eigenen Fähigkeiten nach außen tragen, nutzt dies alles überhaupt nichts. Sie werden in der Masse das ausstrahlen, was sie bislang schon ausgestrahlt haben: den Eindruck von geringerer Kompetenz, geringerem Selbstbewusstsein, geringerem Selbstwert.
Meine Gedanken hierzu mögen sich hart anhören, ich erlebe es jedoch im Alltag ebenso. Selbst Frauen, mit extrem hohen Kompetenzen, benehmen sich häufig so, als wären sie mit geringeren Positionen zufrieden.

Es wird Zeit für uns Frauen, uns Ziele zu setzen, genau zu überlegen, wie wir unser Leben und unseren beruflichen Alltag gestalten möchten. Was wir erreichen wollen, und was wir bereit sind, dafür zu geben.

Diese Arbeit steht vor jeder Quotenregelung und jeder Gender-Diskussion.

Und wer jetzt noch eine weibliche Führungskraft mit Charisma kennt, darf gerne Kontakt mit mir aufnehmen in diesem Zusammenhang.

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