Inszenierung als Kommunikationsfaktor

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Sie kennen das. Wenn Sie einen Menschen ansprechen, überlegen Sie vorher zumindest einen ganz kurzen Augenblick, wie Sie Ihre Worte wählen. Wenn Se sich im Ton vergreifen, wird Ihnen Ihr Gegenüber recht schnell signalisieren, dass Ihre Botschaft falsch angekommen ist.
Warum? Sie haben es doch nur gut gemeint – oder?
Tja, gut gemeint ist oftmals das Gegenteil von gut, den Ratschlag gab mir meine Oma mit, und er ist heute noch gültig.
Und spätestens dann, wenn aus Ihrer einfachen Ansprache an Ihr Gegenüber eine kleine Auseinandersetzung geworden ist, überlegen Sie sich, dass Sie wohl Ihre Worte in Zukunft besser gründlicher wählen sollten.

So weit werden Sie mir sicherlich zustimmen?

Was aber, wenn ich behaupte, dass es sich mit unserem Auftreten genauso verhält?
Wenn ich in den Raum stelle, dass jede Begegnung mit einem anderen Menschen immer eine Spur, einen Eindruck hinterlässt? Sie sind noch immer bei mir? Gut.

Spätestens ab dem Moment aber, ab dem ich behaupte, dass ein gewisser Grad von Inszenierung Ihr Auftreten bestimmt (und ich hätte ebenso das Wort „Auftritt“ anstatt „Auftreten“ benutzen können), geht dann aber immer ein Aufschrei des Entsetzens durch die Hörerschaft.
„Ja warum sollte ich mich denn inszenieren? Das habe ich doch gar nicht nötig!“

Ach ja? Wirklich nicht? Man mag Sie, auch wenn Sie Ihre inneren Befindlichkeiten Ihrem Gegenüber über die Füße schütten? Wenn Sie reden, „wie Ihnen der Schnabel gewachsen ist“? Wenn Sie, ohne nachzudenken, alles ausplappern, was Ihnen gerade in den Sinn kommt, sich so verhalten, wie Ihnen gerade ist?

Rülpsen Sie bei Tisch?

Pardon. Wenn nicht – warum nicht? Sie brauchen sich doch keine Mühe mit Inszenierung zu machen?! Oh, ich höre gutes Benehmen sei keine Inszenierung sondern nur eine Selbstverständlichkeit? Aha. Vielleicht genauso wie eine ausgesuchte Wortwahl?

Sie merken sicherlich worauf ich hinaus will.

Wir inszenieren uns in einer gewissen gewohnten Art und Weise alle. Immer. Ganztägig. Und wenn wir es nicht tun, werden wir dennoch bei unserem Gegenüber einen Eindruck hinterlassen. Die Frage ist nur welcher Eindruck das ist.

Kommunikation, verbale sowie nonverbale, ist bereits eine Form der Inszenierung. Wir können nicht anders, als uns in irgendeiner Form zu präsentieren, also in die Szene um uns herum zu setzen.
Allerdings haben wir dazu vielfältige Möglichkeiten. Wir können versuchen, darauf zu verzichten, weil wir das doof finden, und „echt“ sein wollen. Dann werden wir einen entsprechenden Eindruck hinterlassen. Wir geben nämlich ein Signal. „Ich bin echt. Ich brauche mir keine Mühe für Dich geben. Ich bin so wie ich bin, und das ist nicht immer nett.“
Oder wir zeigen etwas anderes: „Das bin ich. Ich möchte eine Basis mit Dir, du meinen Gegenüber finden, deshalb bin ich nett zu Dir. Ich gebe mir Mühe für Dich und mit Dir.“
Die zweite Version nutzen übrigens auch solche Menschen, die sonst angeblich immer auf Inszenierung verzichten. Nämlich immer dann, wenn sie etwas von einem anderen wollen.
Oder haben Sie je erlebt, dass jemand mit Unfreundlichkeiten etwas bei einem anderen erreicht hätte?

Ja, das ist bereits Inszenierung. Es ist das richtige in Szene setzen von bestimmten Eigenschaften. Es ist der Eindruck, den man gezielt manipuliert, um etwas zu erreichen. Sie möchten doch, wenn Sie gezielt bei jemandem „landen“ wollen, ganz gezielt einen Eindruck hinterlassen. Man redet dann gerne vom „guten“ Eindruck. Aha. Was ist das denn? Vielleicht einfach der Eindruck der, sollte der andere ihn tatsächlich von uns gewinnen, uns am nützlichsten ist? Und das soll nichts mit Inszenierung zu tun haben?

Wir Menschen sind alle soziale Wesen. Wir können nicht anders, als uns möglichst bei unseren Rudelmitgliedern Akzeptanz zu erarbeiten. Das geht über einen bestimmten, vorherrschenden Verhaltenskodex. Der, der das Spiel (Theaterspiel?) nicht mitmacht, fällt aus der sozialen Struktur raus. Das will in aller Regel keiner.

Der aber, der das Spiel und die Regeln gut beherrscht und für sich zu nutzen weiß, wird eine hohe Akzeptanz erreichen.

Führungskräfte brauchen so was. Und nicht nur die.

Herzlichst
Julia Sobainsky

1 Antwort

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  1. […] zu nehmen, das in den Blickpunkt zu rücken, was wir als wichtig erachten. Im Theater nennen wir das Inszenierung – nur so nebenbei. Bookmark on Delicious Digg this post Recommend on Facebook Buzz it up Share on […]

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