Rollen und Authentizität

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Die Tage ein Kunde im Coaching:
„Ich möchte aber in jedem Fall authentisch sein, will auf keinen Fall eine Rolle spielen“.
Ein merkwürdiges Ziel. Völlig unerreichbar. Und wenig durchdacht. Ich glaube, ich muss etwas merkwürdig geguckt haben.

Warum?

Nun, für meine Begriffe sind wir immer in einer Rolle. Vielleicht mit einer einzigen Ausnahme: Wenn wir alleine sind. Es bedarf schon der Einsamkeit, um rollenlos zu sein. Denn immer, wenn wir einem Menschen begegnen formt sich doch in Windeseile eine Rolle heraus, die wir annehmen (und ich vermeide hier mit Absicht den Begriff „spielen“, denn das trifft möglicherweise nicht des Pudels Kern).

Im Zusammensein mit meinem Kind bin ich die Mutter, mit meinem Coachee die Coachette (ein wirklich herzallerliebster Begriff, den ich durch Cora Besser-Siegmund kennenlernen durfte), die „Fachfrau“ für meinen Kunden, die Dozentin für meine Studenten, für meinen Mann eine Mischung aus Stein des Anstoßes, Geliebte und Kamerad, für meine Eltern die Tochter. Bin die Freundin, die Schwester, die Kameradin, Tränentrocknerin, Trainerin, Bespaßerin, Krankenschwester, Nervensäge, Versteherin, Nachbarin, die die Straße nicht regelmäßig fegt usw.

Und ja doch, wir sind auch mit Rollen durchaus genauso authentisch. Denn wer behauptet, dass eine Rolle die eigene Authentizität raubt?

Denn all das bin ich ja nun. Und möchte ich auch sein. Und dennoch sind es Rollen, die ich für den Augenblick überstreife. Ich lege in diesen Momenten den Fokus auf diese eine Seite von mir. Und erblühe für mein Gegenüber zur perfekten Figur XY (oder manchmal mehr oder weniger perfekt – aber die gewohnten Rollen füllen wir i.d.R. auch wirklich gut aus).

Und es ist nicht schlimm, dass ich in diesen Momenten nur die Eine sein kann und nicht die Andere. Denn die Andere bin ich in einem anderen Moment. Dennoch bin ich vollständig, vielleicht vergleichbar dem Mond, dessen Ganzen auch nie gleichzeitig sichtbar ist.

Ich mag meine Rollen. Alle.

1 Antwort

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  1. […] aber im gleiche Augenblick, dass auch hier die Krux liegt: Denn ist es im Alltag immer so leicht, authentisch zu […]

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