Small Talk mit schwierigen Gesprächspartnern

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Letzte Woche gab ich ein Seminar für moderne Umgangsformen, in dem die Frage aufkam, wie man sich am besten beim Small Talk verhält, wenn sich der Gesprächspartner als ausgesprochen schwierig erweist. Schwierig bedeutet so viel, wie schleppende, einsilbige Antworten auf Fragen, oder wenn der Gesprächspartner zur Klette wird und den ganzen Abend einem nicht mehr von der Seite weichen möchte.

Einsilbigkeit beim Gesprächspartner muss nicht gleich Ablehnung bedeuten. Gut möglich, dass der Gesprächspartner einfach nur schüchtern ist. Es lohnt sich also durchaus, ein paar Versuche zu machen. Wie geht man also am besten vor? Stellen Sie offene Fragen. Wer – wie – was – wieso – weshalb – warum – also die klassischen Semsamstraße-Fragen. Machen Sie aber kein Verhör aus dem Small Talk! Günstig ist immer ein Anfang wie: „Ich kenne die Gastgeberin jetzt schon seit 15 Jahren – und sie?“ Damit geben Sie etwas Information über sich selber preis und hören sich nicht an wie ein Kommissar.

Achten Sie auch weiterhin während des Gespräches auf gut verteilte Redeanteile. Wenn der Gesprächspartner nur mit „ja“ oder „nein“ antwortet, überprüfen Sie noch mal Ihre eigene Fragetechnik. Sind es wirklich offene Fragen, oder möglicherweise doch Geschlossene (also welche, auf die man mehr oder weniger nur mit ja oder nein antworten kann)?

Sollte Ihr Gesprächspartner einsilbig sein und zusätzlich dem Blickkontakt ausweichen, können Sie davon ausgehen, dass der Small Talk nicht gewünscht ist. Wenn der Gesprächspartner jedoch im Blickkontakt bleibt, nett lächelt ect, also signalisiert, dass er sich eigentlich freut, dennoch aber einsilbig reagiert, ist er wahrscheinlich dankbar, wenn Sie weiterhin versuchen, das Gespräch am Laufen zu halten. Geben Sie sich ruhig in solchen Fällen noch ein paar Minuten Mühe, vielleicht taut der Gesprächspartner dann auf. Wenn nicht, haben Sie keine Verpflichtung, dem Gegenüber den ganzen Abend ein Animationsprogramm zu liefern.

Der Gesprächspartner als Klette: ein Fall den kaum einer brauchen kann. Denn auf beruflichen Events möchte man vielleicht viele Gespräche mit unterschiedlichen Personen führen, netzwerkeln und auf privaten Veranstaltungen schließlich seinen Spaß haben und kein Kindermädchen sein.

Die Klette zeichnet sich dadurch aus, dass sie nach Kurzem so tut, als seien Sie für sie verantwortlich. Sie redet zwar nicht viel, bleibt aber immer nah bei Ihnen und läuft Ihnen nach wie ein Hündchen. Wollen Sie sich entfernen, bekommen Sie einen ängstlichen oder hilflos-vorwursvollen Blick geschenkt, der zumindest Menschen mit ein bisschen Gewissen erst mal am Abnabeln hindern soll.

Wie kommt man weg? Zunächst einmal: machen Sie sich klar, dass Sie nicht verantwortlich für die andere Person sind. Jeder trägt für sich selber die Verantwortung. Und Sie tun der Klette auch keinen Gefallen damit, sie den ganzen Abend zu bespaßen, denn so lernt sie nie, sich auf einem Event selbstständig zu bewegen. Sagen Sie klipp und klar „ich gehe jetzt mal zu Person xy hinüber – wir sehen uns bestimmt später noch mal“. Ein so klares Statement ist besser als der hilflose Versuch auf die Toilette zu flüchten (und danach erneut belagert zu werden) oder mit dem Argument ein Getränk holen zu wollen zu fliehen. In diesen Fällen ist die Klette nämlich schnell mit der Bitte parat, ihr doch was mitzubringen und sie werden sie wieder nicht los. Das klare Statement jedoch signalisiert, dass Sie nun alleine weiter wollen.

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