Dialektik from hell

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Aktueller Anlass für dieses Post: ich habe auf Facebook einen Hater.

In einer geschlossenen Gruppe für Coaches ging es darum, wie man aus den eigenen Ecken und Kanten Ressourcen machen kann. Nun sind das ziemlich persönliche Themen, wenn man sich dem öffnet, ist es für die meisten Menschen schon ein ziemlicher Schritt und bedeutet die Investitionen von Mut. Wie viele andere tat ich dies auch, weil ich spürte, dass die unebenen Wege meiner Vergangenheit möglicherweise ein großes Potenzial in meiner Arbeit darstellen.

Ich schrieb darüber, dass ich gelernt habe, auch unter widrigsten Umständen Charisma und Glanz zu verbreiten.

Ich beschrieb explizit noch dazu, dass dies keineswegs unauthentisch sei, oder „gespielt“. Das es nur einfach die Entscheidung sei, den Blick auf die positiven Dinge in meinem Leben zu werfen und nicht in der negativen Energie zu verharren.
Darauf die Reaktion einer Kollegin: Ob ich wirklich so sein wolle, sie würde die Menschen dazu ermutigen wollen, authentisch zu sein, und ich solle meine Masken fallen lassen.

Ich reagierte einigermaßen überrascht und erklärte ihr nochmals, dass ich deutlich geschrieben hatte, authentisch zu agieren und keine Maske zu tragen.

Den Begriff Maske halte ich sowieso für völlig unangebracht. Wir Menschen haben viele Schichten, und sind gottseidank in der Lage, nicht jede Stimmung sofort nach außen tragen zu müssen. Es handelt sich dabei keineswegs um Masken, sondern einfach um eine Ausrichtung des eigenen Fokus. Es ist auch keineswegs authentisch, jede schlechte Stimmung sofort nach außen zu tragen und damit die Mitmenschen zu peinigen. Gerade für einen Coach ist das in erster Linie unprofessionell.

Es gab dann insgesamt in dieser Gruppe noch eine Diskussion zum Thema Authentizität.

Die Kollegin schrieb mir dann in recht bottem Ton eine private Nachricht, ich hätte sie missverstanden, sie wolle ihren Kommentar löschen, und ich solle meinen auch löschen.

Ich antwortete ihr, dass ich mich wundere, dass sie das überhaupt mit mir absprechen wolle, und auch über die gesamte Art und Weise. Ich schrieb ihr auch, dass ich ihre Reaktion auf mich ziemlich heftig gefunden habe.

Zurück kam wiederum eine Antwort, ich würde mich ja wohl dadurch auch getriggert fühlen und außerdem sei ich unprofessionell. Sie hätte es sich jetzt überlegt, und würde ihren Kommentar stehen lassen, weil sie zu dessen Inhalt stünde.

Offen gestanden habe ich tatsächlich 2 Minuten darüber nachgedacht, ihr noch mal zu antworten. Ich habe dann beschlossen, es nicht mehr zu tun, weil die Sache ohnehin kein Ende nimmt. Und, was bitte, soll ich mit einer völlig fremden Person, die mich in ihrem Leben noch nie gesehen hat, diskutieren, ob ich o. k. bin, so wie ich bin?

Meine Großmutter hat mir beigebracht, dass nichts so schlecht ist, dass es nicht auch sein Gutes hat. Hier lernen wir Dialektik from hell par excellence!
Nehmen wir es mal technisch auseinander, was passiert ist.
A schreibt ziemlich persönlich und dezidiert über sich selbst.

B unterstellt Dinge, von denen vorher bereits geschrieben wurde, dass sie genau nicht zutreffen. Versieht das ganze mit kleinen Herzchen (Emojis), um dem Geschriebenen die Schärfe zu nehmen, dennoch ist der Angriff perfekt, die Vorwürfe stehen im Raum.
A könnte jetzt vor 4000 Leuten als Persönlichkeit und in seiner beruflichen Kernkompetenz demontiert sein.
A erklärt noch mal, wie es gemeint war, fühlt sich aber sichtlich angegriffen.

Andere stellen sich auf As Seite. B bekommt auch keine „Likes“.

B schreibt A eine private Nachricht, sie möge die Kommentare löschen, ebenso wie ihre eigenen. Keine Entschuldigung, keine Bitte. Der Ton ist nach wie vor überheblich. Er ist in dem Stil „du hast mich missverstanden, ich möchte meinen Kommentar löschen, lösche du auch deinen“.

A schreibt zurück, dass sie das nicht vor hat. B könne ihren eigenen Kommentar ja löschen. Schreibt auch, dass sie die ganze Aktion ziemlich unmöglich fand. Schreibt auch, dass sie sich wundert, dass es nicht einmal eine Entschuldigung gibt. Schreibt auch, sie hätte sich demontiert gefühlt.

B schreibt zurück, A sei unprofessionell, und hätte sich offenbar getriggert gefühlt, also hätte B ja recht gehabt. Sie würde ihren Kommentar nun doch stehen lassen, denn sie würde dazu stehen.

Was lernen wir? Man kann ruhig unverschämt sein. Wenn der andere darauf reagiert, sag einfach, er hätte sich angetriggert gefühlt, also habe man Recht.

Dialektik from hell deshalb, weil man sich selbst jede Frechheit zugesteht. Sobald der andere auf die Form reagiert, unterstellt man ihm, er sei in der Sache getroffen. B unterscheidet also nicht zwischen Form und Inhalt.

Wenn A nicht in der Lage ist, dass sauber zu trennen und das Spiel zu erkennen, ist er sofort in der unterlegene Position.

Wie reagiert man optimalerweise aus der Position von A heraus? Am besten entweder gar nicht, wenn es sich aber nicht vermeiden lässt, sollte man dem anderen aufzeigen, dass er Inhalt und Form besser trennen sollte. Man zeigt ihm deutlich, dass man das Spiel durchschaut.

Gegebenenfalls kann man noch darauf hinweisen, dass man bereit ist, über die Inhalte zu diskutieren, nicht jedoch über die Form.

Ich in meinem Fall bin jedoch nicht einmal bereit, über die Inhalte zu diskutieren. Es handelt sich um mein Leben, und das braucht jemand anders nicht zu hinterfragen.

Also, wenn man Ihnen das nächste Mal unterstellt, Sie seien bei einem Angriff getroffen, überlegen Sie genau, ob Sie tatsächlich inhaltlich getroffen sind, oder nur wegen der unverschämten Art und Weise Ihres Gegenübers.

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